Frohe Ostern – TZH grüßt aus dem Harz

Der Teilzeithund hätte allen Grund sauer zu sein: Einen ganzen Monat bin ich nicht dazu gekommen, ihr einen einzigen Blogbeitrag zu widmen. Stattdessen habe ich mich unentwegt um Singvögel gekümmert, die TZH überhaupt nicht interessieren. Ihre Leidenschaft gilt den Wasservögeln, am allerliebsten mag sie Enten. Schwäne beobachtet sie gern aus der Ferne, ist aber schon mehrfach von ihnen mit Drohgebärden verscheucht worden. Enten dagegen flattern zuverlässig aufgeschreckt davon, sobald TZH auf das Ufer zustürmt. So muss das sein.

froheosternAber weil TZH ein Hund ist, hegt sie keinen Groll ihrem Herzen. Manchmal zieht sie sich kurz beleidigt auf ihre Decke zurück, wenn ihr etwas nicht passt, aber schon Minuten später ist der Ärger vergessen. Aktuell verbringt sie mit ihrem anderen Menschen die Osterfeiertage im Harz – bei dem Wetter aus meiner Perspektive kein geeigneter Ort für einen Kurzurlaub. Aber TZH sieht das anders: Ein Hagelschauer ist eine aufregende Episode beim Spazierengehen, Regen und Schnee feuchten das Fell schön an und Kälte? Welche Kälte? Im Harz wird sie die Wälder und die Ruhe genießen, Fuchs- und Wildschweinfährten folgen und schöne große Löcher buddeln. Und ich? Ich genieße ruhige Ostern in Berlin und gehe nur raus, wenn es sich gar nicht vermeiden lässt.

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Shit Happens: TZH und die Empathie

Bei so viel Lob wird TZH ganz verlegen.

Bei so viel Lob wird TZH ganz verlegen.

Mit Empathie endete mein letzter Blogartikel und mit Empathie fängt dieser an. Im Alltag fällt mir immer wieder auf, wie sehr sich der Teilzeithund (TZH) emotional einfühlt. Vor einigen Tagen schmerzte spätabends mein Hals, ich fror und fühlte mich sehr abgeschlagen. Am nächsten Morgen wachte ich nach elf Stunden Schlaf auf. (Normal wären für mich nicht mehr als sieben Stunden.) Ausgeruht und gesund. Neben meinem Bett wedelte freudig der Teilzeithund. Sie war zwölf Stunden nicht draußen gewesen, hatte aber geduldig abgewartet, statt mich aus dem Schlaf zu reißen. Ich könnte schwören, sie mich bewusst ausschlafen lassen.

Vorgestern schauten wir zusammen auf einem Hundeplatz vorbei. Und wurden Zeugen, wie ein junger Windhund und ein Beagle in vollem Lauf frontal zusammenstießen. Der Beagle zog sich gefasst zurück; der kleine Windhund jedoch schrie wie am Spieß. Wer einen Hund hat, wird wissen was ich meine. Dieses ohrenbetäubende, lautstarke, schrille Winseln? Alle anderen Hunde scharten sich aufgeregt um den kleinen Hund, der sich kaum von seinem Menschen beruhigen ließ. Als sich die beiden auf den Heimweg machten, hockte sich der Windhund unmittelbar vor das Tor und hinterließ ein kleinen, ziemlich flüssigen Hundehaufen. Im Minutenabstand folgten der Beagle, ein Schäferhund, TZH und ein kleiner Mischling seinem Beispiel: Offenbar handelt es sich um ein Ritual nach überstandenen Krisen. Ich war gerührt. Und das bin ich selten, wenn ich gerade Hundescheiße in einem Plastikbeutel fülle.

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Der Hundestrich in Japan: Interview mit dem Deutschlandradio

Vor kurzem bin ich vom Deutschlandradio interviewt worden. Das Ergebnis wurde vor einer guten Woche ausgestrahlt. Hauptthema ist nicht das Dog-Sharing; in erster Linie geht es um einen Trend aus Japan. Dort kann man sich einen Hund für ein oder zwei Stunden ausleihen. Die Hunde verbringen den Tag in entsprechenden Shops und werden mehrfach täglich von völlig fremden Menschen ausgeführt. Die gehen vermutlich davon aus, dass sich der Hund darüber freut, mit ihnen gemeinsam die Welt zu erkunden. Für mich klingt das, als würde ein Freier an der Berliner Kurfürstenstraße sich einreden, die Prostituierte würde den Sex im Auto in vollen Zügen genießen.

Von einer Reise nach Japan will TZH nichts wissen.

Von einer Reise nach Japan will TZH nichts wissen.

Ich frage mich ernsthaft, wie entfremdet vom Umgang mit Tieren Menschen noch werden können. Der Durchschnittshund will mit zwei bis drei vertrauten Menschen (oder mehr im Falle einer größeren Familie) sehr gern und am liebsten sehr oft um die Häuser ziehen. Schon zum Ausgang mit engeren Freunden seiner Menschen müssen die meisten Hund praktisch vor die Tür geschoben werden, wenn die primären Bezugspersonen selbst nicht mitkommen. Ich wünsche den japanischen Hunden ein besseres Tierschutzgesetz. Und den menschlichen japanischen Freiern ein bisschen mehr Empathie.

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Mehr ist mehr: TZH und die Kunst der Inneneinrichtung

Vor einigen Tagen wurde ich von einer Radioreporterin zum Thema Dogsharing interviewt. (Ich melde mich, wenn das Interview gesendet wird.) Sie fragte u.a., wie der Teilzeithund (TZH) mit dem Wechsel von einem ihrer Menschen zum anderen umgeht. TZH stürzt normalerweise aufgeregt in die Wohnung, ignoriert die Anwesenden und inspiziert erst einmal alle Zimmer. Vermutlich, um zu überprüfen, ob wir irgendwelchen Unsinn angestellt haben, wie beispielsweise schon wieder heimlich ihre Decken zu waschen. Häufig findet sie dabei einen Keks als kleines Begrüßungsgeschenk. Hat sie den verzehrt, schaut sie in Ruhe nach, ob ihr Spielzeug auch hübsch arrangiert und vollzählig ist. Erst danach hat sie Zeit für irgendwelche Zweibeiner. Nachdem sich TZHs Begleitung der Vorwoche dann verabschiedet hat, wirkt der Hund etwa eine Viertelstunde noch etwas unruhig. Danach ist erst einmal Zeit für ein Nickerchen, und wenn sie sich ausgeruht hat, ist TZH gleich wieder ganz und gar daheim.

Nach getaner Arbeit genießt TZH einen ruhigen Abend.

Nach getaner Arbeit genießt TZH einen ruhigen Abend.

Am ersten Abend bei einer von uns aber, das hatte ich vergessen, der netten Reporterin zu erzählen, scheut der Hund auch ein bisschen Arbeit nicht. TZH hat mich heute Abend eindrücklich daran erinnert. Denn ihre Vorstellungen von einer gemütlichen Wohnung weichen deutlich von unseren ab. Ist der Hund nicht da, leben wir mit sauberen, leeren Fußböden. Dieser stillosen, klinischen Ästhetik kann TZH nichts abgewinnen. Im Laufe des Abends drückt der pelzige Schöngeist unserem Zuhause wieder ihren Stempel auf. Analog zum Shabby Chic setzt TZH auf einen ungezwungenes und lässiges, scheinbar zufällig entstandenes Interieur: Ein Ball hier, ein paar Gummikrümel dort, großzügige Akzente mit der Plüschfüllung des Teddys. Dann noch ein kräftiger Hauch Berliner Sandboden… Und schon ist es vorbei mit dem sterilen Minimalismus!

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Mensch und Hund: Wo du hingehst, da will ich auch hingehen…

Samstag ist der Teilzeithund (TZH) mit seinem anderen Menschen schon wieder umgezogen. Nach einem guten Jahr in einer idyllisch gelegenen WG im Altbau in Neukölln wohnen sie nun in einer Tempelhofer Neubauwohnung. TZH war sehr aufgeregt und rannte wild in der neuen Wohnung herum. Heute, da bin ich sicher, fühlt sie sich dort schon ganz zu Hause. Während Katzen nach einem Umzug in jeder nur denkbaren Hinsicht ihr Missfallen mit diesem ruhelosen Umherziehen kundtun, ist TZH flexibel. Zwar trägt sie keinen Hut, den sie aufhängen könnte. Aber wo ihre Menschen, Näpfe und Kuscheldecken sind, ist auch sie sofort daheim.

Egal wo: Ein Loch buddeln hilft IMMER.

Egal wo: Ein Loch buddeln hilft IMMER.

Ein Wunder der Anpassung? Hunde passen sich dauernd an ihre Menschen an und machen dabei eine Menge mit. Alle paar Monate kommen neue Ergebnisse aus der Tierpsychologie, die uns helfen sollen, unsere Hunde besser zu verstehen. Aber jeder Mensch mit Hund weiß auch so, welche Leistungen Laila und Fluffi Tag für Tag vollbringen: Wie es sich unsere Tiere in der U-Bahn gemütlich machen, Autofahren lieben lernen und nicht einmal mit dem Öhrchen zucken, wenn LKWs vorbei brausen. TZH hat sich sogar innerhalb kürzester Zeit an eine ganz neue zweite Bezugsperson gewöhnt. Unterschätzt wird aber, wie sehr auch wir uns an unsere Hunde anpassen. Kleidung ist dabei nur eine Facette. TZH hatte mich in einigen Punkten in kürzester Zeit sehr erfolgreich gut erzogen. Um relativ wahllos ein paar Beispiele zu nennen:

  • Ich knalle keine Türen mehr, weil der arme Hund sich dann immer so erschrickt. (Daran sind schon viele Menschen gescheitert.)
  • Ich klappere beim Spülen kaum noch mit Geschirr, das hasst TZH auch.
  • In den Wochen mit Hund ziehe ich natürlich das eine Kino, das Hunde hereinlässt, allen anderen vor.
  • Selbstverständlich bringen wir im Nahbereich unseres Zuhauses wohnende Freundinnen und Freunde nach einem gemeinsamen Abend heim. TZH mag es gar nicht, wenn Menschen ohne ihren Schutz in die Nacht verschwinden. Sie zuhause sicher abzuliefern, gibt ihr dagegen das Gefühl, eine Arbeit gut erledigt zu haben.
  • Musik stelle ich nicht zu laut.
  • Ich lasse nur noch selten einen Kuli oder ein Feuerzeug auf den Boden fallen. Wenn doch, entschuldige ich mich sofort. Beim Hund natürlich.

Ich würde generell ausschließen, dass ich zu vorauseilendem Gehorsam neige. Außer, selbstverständlich, dem Hund gegenüber.

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Winter mit Hund: Shopping-Tipps für Anfänger

Hüscher Hund, hässliche Schuhe.

Flauschiges Fell, hässliche Stiefel: Winter mit Hund.

Vor ein paar Tagen traf ich einen Mann mit einem Hundewelpen, den der Teilzeithund (TZH) gleich sehr gern mochte. Nachdem die beiden eine halbe Stunde herumgetollt hatten, wies der Begleiter des Welpen auf seine Turnschuhe und sagte, er müsse dringend heim. Seine nassen, kalten Füße spüre er kaum noch. Anfänger! Ich stelle immer wieder fest, dass Zubehör für den Hund in aller Regel überflüssig ist. Mittlerweile hat der Neuhundehalter Gelegenheit von Luxus bis hin zu „Nachhaltigkeit“ in allen Kategorien viel Geld dafür auszugeben. In meinen Augen sollten Menschen mit Hund durchaus investieren – bloß nicht in teure Reisehundebetten. Seit ich mein Leben  mit TZH teile, habe ich dazugelernt und einige unerwartete Neuanschaffungen getätigt, die ich unbedingt weiterempfehle:

  1. Wasserdichte, mit Wolle gefütterte Schneestiefel. Hier gern mal ein paar Euro mehr anlegen, das lohnt sich. Wolle wärmt einfach angenehmer als irgendein Plüsch. Die Stiefel hatte ich ursprünglich für einen anderen Zweck gekauft, aber jeder Mensch mit Hund, der ganz gern warme Füße hat, sollte welche haben!
  2. Eine bis zu den Knien reichende warme Winterjacke. Nichts aus Wolle, das dann jedes Mal in die Reinigung muss, wenn fremde Hunde auf dem Hundeplatz die Pfoten an einem abwischen. Und keine teure Funktionsjacke, bei der mensch sich über Dreck ärgert, der ständig garantiert ist. Ich habe einen Lederparka, Second Hand aus den 1980er Jahren, den ich jeden Tag mehr liebe. Weil er regen- und winddicht ist, abwischbar und auch noch schön.
  3. Gummistiefel. Da reichen die ganz billigen, für Schietwetter, wenn es zu warm für Schneestiefel ist.
  4. Am besten kombiniert mit: Einer alte Regenjacke von einem Zweimetermann, die sehr, sehr viel zu groß ist und über absolut alles passt. (Die Männer, die selbst zwei Meter groß sind, haben da allerdings Probleme.)
  5. Einen guten Staubsauger. Ich finde nichts langweiliger als Haushaltsgeräte zu kaufen. Was noch funktioniert, wird also nie ersetzt. Das erste Jahr lebten TZH und ich deshalb mit einem uralten Staubsauger zusammen, der mürrisch und halbherzig saugte und sich nach etwa 15 Minuten gern eine Auszeit nahm. Erst nach dessen endgültigen Ableben (Rauchwolken aus dem Gerät haben sogar mich überzeugt.) habe ich uns ein neues Modell gegönnt. Eine saubere Wohnung in der halben Zeit!

Der Hund hat übrigens von diesen Ausgaben eine Menge: Gutgelaunte, gesunde Menschen, die bei jedem Wetter lange mit ihm spazierengehen. TZH zieht das eindeutig einem Halsband für über 100,- Euro vor.

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Ich glotz TV (Sie glotzt TV)… Fernsehen für den Hund

Fröhliche Weihnachten! Und das sind sie tatsächlich. Der Teilzeithund (TZH) genießt aktuell ruhige Festtage im ländlichen Brandenburg, und in ebendiesem kleinen Dorf wird sie mit ihrem anderen Menschen auch Silvester verbringen. Weit weg von den Berliner Verrückten mit Schreckschusspistolen voller Leuchtmunition und einer umfangreichen Kollektion von Polen-Böllern. Tatsächlich tauschen sich diese Irren schon seit Wochen im Internet aus, in speziellen Pyro-Foren, in denen sie Fotos ihrer Munitionsberge posten. Vermutlich leben auch in dem Dorf, in dem TZH gerade weilt, einzelne Feuerwerkfans, aber das lässt sich sicher leichter ignorieren als die mehrtägige Dauerknallerei in Berlin.

TZHs anderer Mensch hat mich kürzlich auf das Fernsehprogramm für den Hund aufmerksam gemacht. Natürlich nicht, weil sie das für eine Idee für unseren Hund hält! Zum einen verbringt TZH wenig Zeit allein zu Haus und wenn, dann ist schläft sie lieber oder liest vielleicht heimlich ein gutes Buch. Ich jedenfalls habe sie noch nie beim Fernsehen erwischt, aber einmal schlafend, den Kopf auf ein Buch gebettet. Bei Literatur wird ihr nicht übel! Zum anderen beachtet TZH auch den schon laufenden Fernseher nur, wenn sie sich mittig davorstellt, einen Ball in der Schnauze, um mich von einem Film abzulenken. Trotzdem habe ich überlegt, was ein Hund denn wohl gerne sehen würde. Ich bin ziemlich überzeugt, einem anderen Hund beim Einschlafen zuzusehen, stände nicht besonders hoch oben auf der Liste. Vielleicht eher ein ein amüsantes Sportprogramm? Ich mag ja die Fetch-Compilations auf Youtube, und Bälle interessieren TZH immer. Ich vermute allerdings, diese Stümper würden unsere Profiballsportlerin zur Verzweiflung treiben. Angeblich hat der weltweit aktive Sender Dog TV bereits über eine Million zahlender Abonnenten, die, bevor sie zur Arbeit gehen, für Waldi und Senta den Fernseher anwerfen.Wer weiß, ob die Hunde sich nicht nach einer Viertelstunde vom Fernseher weg schleichen und lieber unter dem Küchentisch ein Nickerchen machen. Sicher ist aber wieder einmal: Es lässt sich jeder Hundehaufen in einen Klumpen Gold verwandeln.

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