Schöne Hundeplätze? Dit ham wa nich!

Berliner Hunde und die Menschen, die ihr Leben teilen, gehören zu den hartgesottenen Vier- und Zweibeinern. Letztes Wochenende hatte ich Besuch aus Bayern. Meine liebste Cousine wohnt dort in der Nähe des Starnberger Sees. Sie mag Hunde sehr gern und hatte ausdrücklich schon im Vorfeld um eine Gelegenheit gebeten, bei ihrem Aufenthalt den Teilzeithund (TZH) zu treffen. Die beiden verstanden sich sofort gut, und die Gästematratze im Wohnzimmer wanderte bald immer näher zur Hundedecke. TZH hat uns das Wochenende über bei fast allen Unternehmungen begleitet. Zusammen waren wir auch auf einem Hundeplatz, den TZH und ich häufig gemeinsam aufsuchen. Meine nette Cousine ließ leicht ungläubig den kahlen Sandboden, die überquellende Mülltonne und die roh zusammengeschusterten Spielgeräte auf sich wirken und bemerkte, das sei ja doch, irgendwie, ähh, ziemlich trist hier.

TZH mag Pitbulls. Das Sofa steht richtig!

Graffiti auf blassrosa Sofa: Auch TZH und ich mögen Pitbulls.

Da hatte sie nicht unrecht. Tatsächlich bin ich sehr froh, dass TZH zuverlässig ohne Leine mitläuft, an jeder Ecke und jedem Bordstein wartet und nie Anstalten unternimmt, sich plötzlich in den Straßen-verkehr zu stürzen. Hunde-plätze suchen wir in erster Linie der Sozialkontakte wegen auf. Zum einen trifft auch die wählerische TZH dort immer wieder ihr sympathische Hunde und kann mit Artgenossen wild herumtoben. Zum anderen habe ich inzwischen einzelne Hunde-Begleitpersonen auf den verschiedenen Auslaufflächen kennen- und schätzengelernt. Wirklich auf die Plätze angewiesen sind wir jedoch nicht. Viele andere Hunde dagegen können nur dort Freilauf genießen. Und Berliner Hundeplätze entsprechen leider tatsächlich nicht den Erwartungen meiner Cousine, die sich die Auslauffläche „eher wie eine Art Park vorgestellt“ hatte.

Dabei stelllt der Platz, den wir drei zusammen aufgesucht hatten, absolut nicht das Ende der Fahnenstange dar. Schlimmer geht immer, jedenfalls in Berlin. Zum Vergleich: In unserem Kiez suchen TZH und ich regelmäßig eine Brache auf, die inoffiziell und temporär als Hundeauslauffläche genutzt wird. Gerüchteweise sollen dort diesen Sommer Bauarbeiten beginnen, dann werden wir auch dieses Gelände nicht mehr betreten können. Das kennen wir schon, die Zahl der Freiflächen hier im Kiez nimmt seit einigen Jahren dramatisch ab. Die Brache mögen der Hund und ich: Mir gefällt das viele Grün – der offizielle Hundeplatz dagegen ist so übernutzt, dass Pflanzen dort keine Chance mehr haben. Und TZH stürmt gern über die Wiesen der Brache und jagt Ratten. An Nagetieren mangelt es dort nie, denn die Brache dient auch als Müllkippe und Schuttabladeplatz. An aufgeplatzten, stinkenden Hausmüllsäcken vorbeizugehen, macht mir deutlich weniger Freude als TZH. Dafür zeige nur ich Interesse am Sperrmüll mit Graffiti. Ich muss zugeben: Idylle sieht anders aus. Wenn das schon mir auffällt – wie würde dieses Ambiente auf Menschen aus anderen Bundesländern erst wirken?

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