Die marokkanische Überraschung: Tierschutz im Islam

Die letzten Wochen war ich in Marokko im Urlaub – ohne den Teilzeithund (TZH). Generell macht TZH deutlich häufiger Ferien als ich. Dieses Jahr hat sie schon einen Wellness-Aufenthalt in Brandenburg genossen und und ist Ostern durch den Harz gewandert. In Marokko aber wäre es ihr sogar im Frühjahr viel zu heiß gewesen. Mit ihrem anderen Menschen hat TZH in meiner Abwesenheit in Berlin die ersten Sonnenstrahlen genossen.

Futter, Wasser, Sand:  Ein Hundeleben in Taghazout

Futterstelle am Strand: Hundeleben in Taghazout.

Seit ich mit TZH meine Tage teile, nehme ich in Urlaubsländern automatisch unter die Lupe, wie die Einheimischen mit Tieren umgehen. In Marokko leben viele Hunde und Katzen als Streuner auf der Straße. Das hatte ich erwartet. Allerdings, und das war eine positive Überraschung, zumindest im südlichen Teil des Landes nicht im Elend, sondern wohlgenährt und oft gut versorgt. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Einstellung zum Tierschutz dort verändert, erzählten mir die Marokkaner. Die meisten Cafés stellen heute einigen Straßentieren Futter und einen geschützten Schlafplatz für die Nacht zur Verfügung. Obwohl im Islam Hunde als unrein gelten, streifen sie ungestört durch viele Restaurants. Die Katzen aber sind die unbestrittenen Könige und Königinnen der Lokale. Selbstbewusst sichern sie sich die besten Plätze auf weichen Polsterstühlen in der Sonne und machen dort ein Nickerchen. Doch auch die Hunde erfahren mehr Fürsorge, als ich es vermutet hätte. In der wunderschönen Hafenstadt Essaouira konnte ich in einer kleinen Gasse beobachten, wie verschiedene Anwohner immer wieder versuchten, einen erschöpften, alten Hund mit kleinen Appetithappen zum Essen zu verleiten.

Der Raum Agadir ist im Land bekannt für seine aktiven Tierschutzorganisationen. Viele Straßenhunde und -katzen vor Ort haben Einwanderern aus Europa eine Menge zu verdanken. In Taghazout, einem Küstenstädtchen, das vor allem unter Surfern für seine hohen Wellen bekannt ist, tragen alle Hunde einen roten Chip im Ohr. Der besagt, dass sie geimpft und sterilisiert sind; diese Tiere sind geschützt und dürfen nicht getötet werden. Wie mir ein Café-Besitzer erzählte, ging die Initiative von einigen Französinnen aus, die vor Ort Restaurants und Hotels eröffnet hatten. Gerade dieser kleine Ort, den ich mir als idyllisches Surfer-Paradies vorgestellt hatte, ist jedoch auch Treffpunkt einer harten Drogenszene. Ein bizarres Szenario: Gut versorgte Hunde und Katzen leben neben im absoluten Elend vegetierenden Heroinabhängigen auf der Straße. Das soziale Netz für Menschen in Marokko lässt offensichtlich mehr zu wünschen übrig als der Tierschutz.

Dem Teilzeithund habe ich von meinen Erlebnissen berichtet. Wie immer hat sie scheinbar aufmerksam zugehört und hat mir dann ihren Ball vor die Füße geworfen. Ballspielen hilft immer, um trübe Gedanken zu verscheuchen. Jedenfalls, wenn man mit TZH wieder zuhause in Berlin ist.

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