Song from the Forest: TZH als Filmkritikerin

„Kann ich den Hund mitbringen?“ ist die klassische erste Frage von der Menschen, die ihr Leben mit einem solchen teilen. Fragen lohnt sich, denn Mensch und Hund wissen nie: Meine Friseurin liebt Hunde, mein Lieblingsinder toleriert die Vierbeiner der Gäste zumindest. In viele Berliner Pizzerien aber darf der Hund nicht mit, weil sie sie von muslimischen Hauptstädtern geführt werden. Der Koran hält Hunde leider für „unrein“.

Überraschend oft dagegen können Hunde in menschlicher Begleitung Ausstellungen besuchen. Zu empfehlen ist das aber nicht: Der Teilzeithund (TZH) jedenfalls langweilt sich, zumindest bei moderner Kunst, und zieht ungeduldig an der Leine. Eine Kulturbanause aber ist sie nicht, ins Kino geht sie gern. In den meisten Berliner Kinos sind Hunde nicht erwünscht, doch es gibt Ausnahmen.

Zum Glück, denn TZH genießt es sehr, in einem dunklen Raum inmitten eines großen Rudels zu dösen. Ein Kino in unserer Nähe bietet seinen Gästen sogar Sofas an; und weil diese alte Schätzchen schon sehr viele bessere Tage gesehen haben, darf auch der Hund auf die Couch. TZH bittet immer höflich um einen Platz zwischen mir und meiner jeweiligen zweibeinigen Begleitung und räkelt sich glücklich in der Mitte. Kinos sind zum Kuscheln da, findet TZH. Der Film interessiert sie normalerweise nicht.

Letzte Woche aber hat sie mit großer Aufmerksamkeit das Geschehen auf der Leinwand verfolgt. „Song from the Forest“ ist ein Dokumentarfilm über Louis Sarno, der sich in die Musik der Pygmäen verliebt hat und seit mehr als 20 Jahren mit ihnen im Regenwald lebt. Voller spannender Dschungelgeräusche, aufregender Jagdgesänge und dem Gebell von Hunden – TZH hat aufgeregt und lautstark hechelnd zugehört. Ich war froh, dass keine sexuellen Szenen liefen, die einen missverständlichen Eindruck über die Aktivitäten auf dem blauen Sofa hätten nahelegen können. Meiner Begleitung war TZHs Keuchen trotzdem peinlich. Aber mit einem „Psst“  muss mensch dem Hund nicht kommen, wenn Kunst sie wirklich beeindruckt. Wer sich und seinem Hund einen cineatischen Genuss gönnen will, dem sei der Film ausdrücklich empfohlen.

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