So nicht! TZH fordert eine andere Stadtplanung

Entspannt im Sand...

Entspannt im Sand…

Macht der Hund schon wieder Urlaub? Sonnt sich nach einem Bad am Ostseestrand? Nichts da – als echte Hauptstädterin ruht sich der Teilzeithund (TZH) im Sand einer Baustelle aus. Die Lage dieser Baustelle allerdings ist sogar in Berlin etwas Besonders: Der Rundweg um eine Halbinsel in der Spree ist seit Wochen durch eine abgesperrte Baustelle unterbrochen, und Jogger, Spaziergänger und Hunde müssen jetzt einen guten Teil der Strecke auf dem schmalen Gehsteig an der Straße zurücklegen, bis sie ans Wasser zurückkehren können. (Theoretisch. Irgendwie scheinen die Zäune immerzu umzufallen.) Anwohner haben mir erzählt, an diesem früher so idyllischen Plätzchen ließe sich jemand ein Haus mit einer privaten Anlegestelle bauen. Ich konnte mir das Gerücht nicht bestätigen lassen, weil ich leider noch nie einen der Bauarbeiter getroffen habe. Es wäre Wahnsinn, wenn Hunderte von Leuten nicht mehr am Wasser laufen könnten, weil ein Mensch exklusiv den Zugang für sich beansprucht. Und weil es so ein Irrsinn ist, wird es wohl stimmen.

Unser Kiez wird derartig rücksichtslos überbaut, dass mir beim Zusehen die Galle hochkommt. TZH stößt vor allem auf, dass immer weniger Platz für Hunde bleibt. Als TZH in mein Leben trat, gab es hier im Kiez vier Hundeauslaufflächen und eine Brache, deren Nutzung durch die Öffentlichkeit geduldet wurde. Auf einem der Hundeplätze war TZH nur wenige Male, bevor die Freifläche einem Haus mit teuren Eigentumswohnungen weichen musste. Auf einem anderen trieben wir uns ein Jahr häufiger zusammen herum, bevor er einem Haus mit teuren Eigentumswohnungen weichen musste. Ein weiteren, kleineren Platz haben wir seltener besucht. Inzwischen ist es zu spät, er musste einem Haus mit teuren Eigentumswohnungen weichen. Übrig bleibt eine einzige offizielle Freifläche für Hunde, die natürlich häufig überfüllt ist. Kurzfristig sorgte eine zusätzliche große Brache für etwas Entspannung. Seit einigen Wochen ist diese abgesperrt; das leere Grundstück wird rund um die Uhr von Wachleuten geschützt. Bald soll auch diese Fläche teuren Eigentumswohnungen weichen. Die schon länger bestehende Brache können wir vermutlich noch bis zum Herbst nutzen. Dann muss sie… genau!

... einer idyllisch gelegenen Baustelle.

… einer idyllisch gelegenen Baustelle.

Wenn zumindest die Hälfte der Häuser bezahlbaren Wohnraum bieten würden, wären TZH und ich kompromissbereit. Denn eine Bleibe in Berlin zu finden, wird immer schwieriger, wenn das Kleingeld für die Eigentumswohnung in guter Lage nicht reicht. Und mit einer von Armut freien Innenstadt können wir beide nichts anfangen. Ich, weil ich nicht in einem Stuttgart des Ostens wohnen will. TZH, weil nur eine gute Durchmischung der menschlichen Bevölkerung auch eine vielfältige Sozialstruktur der hier heimischen Hunde garantiert. TZH will sie alle: die Hunde der Obdachlosen, die aus Rumänien und Ungarn eingewanderten Hunde, die Artgenossen aus den Berliner Tierheimen, die Hunde, die mit den Punks in den Parks sitzen. Auch den einen oder anderen für teures Geld erworbenen kleinen Rassehund kann sie gut riechen – einer ihrer besten Freunde ist ein reinrassiger Beagle mit langem Stammbaum. Aber, und da bleibt TZH fest, es muss Platz für alle sein. Den Forderungen für eine sozial durchmischte Innenstadt schließt sie sich hiermit ausdrücklich an. Denn nur so hat auch der Hund weiterhin ein buntes Leben.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Großstadt, Spaziergang abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s