Der Humboldthain: Kaninchen, Wiesen und ein Betondings

Es regnet und regnet und regnet… Im Gegensatz zu den Menschen und Hunden in Passau und Grimma haben wir es gut, aber ein echter Trost ist das nicht. Auch dem Teilzeithund (TZH) ist sonniges Wetter lieber: Nieselregen macht ihr nichts aus, aber wenn es richtig schüttet und ihr die Tropfen auf den Kopf platschen, schaut sie mich unglücklich an. Trotzdem machen wir entschlossen jeden Nachmittag einen langen Spaziergang, vorzugsweise natürlich, wenn der Regen kurz nachlässt. Heute sind wir im Volkspark Friedrichshain herumgestapft, und TZH hat den halben Sandboden des Parks sorgfältig in ihr Fell integriert. Auf dem Heimweg haben mich drei (!!!) Leute angesprochen und liebevoll angemerkt, der „kleine Dreckspatz“ brauche wohl ein Bad. Da TZH aber kaum in die Badewanne zu bekommen ist, habe ich mit Handtuch und Bürste mein Bestes getan. Und morgen sauge ich eben… schon wieder.

Und? Nichts als Beton.

Und? Nichts als Beton.

Der schönste Spaziergang der letzten Tage führte uns durch den Humboldthain. Der Wedding ist normalerweise nicht unser Revier, aber zufällig hatte ich eine Freundin in der Nähe getroffen und beschlossen, im Anschluss mit TZH den Park zu erkunden. Den Humboldthain selbst hatte ich noch nie betreten, aber schon einmal die darunter liegende Bunkeranlage besichtigt. In mehreren Berliner Parks wurden im Zweiten Weltkrieg unterirdische Bunker und sogenannte Flaktürme gebaut, überwiegend von Zwangsarbeitern. Die Flaktürme dienten als zusätzliche oberirdische Schutzbunker, in erster Linie aber als Plattform zum Abfeuern der Flugabwehrkanonen, kurz Flaks, auf britische Flugzeuge. Nach dem Krieg wurden sie gesprengt, mit Trümmern überdeckt und später begrünt. Im Volkspark Friedrichshain weist nur noch der Name „Bunkerberg“ darauf hin, was sich unter dem Hügel verbirgt. Im Humboldthain dagegen blieb der Nordturm stehen, weil er an eine Bahnstrecke grenzt. Natürlich war er das Ziel unseres Ausflug. Unglaublicherweise regnete es nicht.

Im Park schoss TZH  sofort auf Kaninchenjagd durch das üppige Unterholz. (Die Kaninchen lachen hinter ihrem Rücken über sie, aber das behalten wir für uns.) Während der Hund glücklich beschäftigt war, trabte ich verwirrt über die Wege: Wo war der Turm? Nie hätte ich gedacht, ein bombastischer Hochbunker könne schwer zu finden sein. Tatsächlich aber wachsen im Park so viele schöne, alte und große Bäume, dass der Turm erst zu sehen ist, wenn Mensch und Hund schon fast davorstehen. Aber mit TZH an meiner Seite gibt es keine Umwege, denn Zeit in einem Park ist nie verschwendet. Und diesem Park würde TZH eine gute Note geben: Naturbelassene Gehölze, schöne weite Wiesen, viele Kaninchen – und, sehr, sehr selten in Berlin, kaum Müll! Vom Flakturm dagegen war TZH unbeeindruckt. Aus ihrer Perspektive eine weitere langweilige Betonstruktur der Großstadt; zudem riecht jede U-Bahn-Station offensichtlich interessanter. Ich konnte sie aber immerhin überreden, mit mir zusammen die Aussicht und das laue Lüftchen auf dem Gipfel zu genießen.

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