Einstein und der Hundeführerschein

Der Hundeführerschein wird wahrscheinlich bald auch in Berlin eingeführt. Das ist eine gute Neuigkeit, denn wenn wir die Prüfung bestehen, darf der Teilzeithund (TZH) ganz legal ohne Leine in allen Parks und Grünanlagen herumlaufen! Den Nervenkitzel, immer nach Ordnungsamt-Mitarbeitern Ausschau halten zu müssen, werden wir nicht all zu sehr vermissen… Ich habe mir die Aufgaben angeschaut, die Hund und Mensch bewältigen müssen. Den allergrößten Teil schaffen wir drei meiner Einschätzung nach locker: TZHs anderer Mensch hat sie sehr gut erzogen, als sie noch auf Welpenpfoten durch Berlin tapste. Heute bleibt unser wunderbarer Hund auch im Großstadttrubel gelassen, jedenfalls solange niemand Böller wirft. Und Schussfestigkeit wird nur bei der Jagdhundprüfung getestet, nicht bei der für den Hundeführerschein. An einigen wenigen Punkten müssen wir allerdings trotzdem noch arbeiten.

Bis vor kurzem kannte TZH zum einen das Kommando „Platz“ nicht. Es schien überflüssig, weil sie sich sowieso von selbst hinlegt, wenn wir bspw. U-Bahn fahren oder ich mit Freunden irgendwo am Tisch sitze. Vor einigen Tagen habe ich nun angefangen, das Platz machen mit ihr zu üben. Etwas schwierig war, TZH erst einmal klarzumachen, was ich von ihr wollte. Geschafft habe ich es schließlich mit Hilfe eines Hundekekses in der fest geschlossenen(!) Hand: Gaaaanz langsam die Hand von der Hundenase zum Boden führen, bis sich der Hund hinlegt – und bitte nicht überrascht sein, wenn der Hund die ersten Male schmerzhaft an der Hand kratzt ;-). Nach einigen Fehlversuchen lag TZH schließlich und bekam ihren Keks. Mit der Belohnung in der Schnauze ist sie zunächst sofort wieder aufgesprungen. Aber ihr anderer Mensch hat mit ihr weitergeübt, und jetzt versteht sie, dass sie liegen bleiben soll! Für den Führerschein müssen wir mit ihr nun noch trainieren, dass sie auf Kommando zuverlässig Futter oder Spielzeug hergibt. Das macht sie normalerweise, aber leider nicht immer, wie ich schon mit schmerzhafter Peinlichkeit erleben musste. Aber auch das werden wir in den Griff bekommen, da bin ich sicher.

Auch eine äußerliche Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen.

Auch eine äußerliche Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen.

TZH, habe ich nämlich festgestellt, ist eine absolute Streberin, ähmm, Musterschülerin. Mit wenigen erfolglosen Versuchen hat TZH für ihre Verhältnisse schon lange gebraucht. Vor einigen Monaten habe ich ihr beigebracht, die Pfote zu geben. Eine völlig sinnlose Übung, zugegeben, und natürlich auch kein Erfordernis für den Hundeführerschein. Einer meiner netten Bürokollegen hatte jedoch fast täglich vergebens versucht, TZH die Pfote zu schütteln. Das endete immer frustrierend für beide, wenn es auch sehr sehenswert war: TZH hielt die Augen begehrlich fest auf den Keks in seiner Hand gerichtet, wich aber stets mit einem völlig entgeisterten Gesichtsausdruck zurück: Warum nur versuchte dieser Perverse ständig, ihr an den Pfoten herumzufummeln? „So nicht, mein Herr! So nicht!“ Zuhause hat sie das Pfötchengeben an einem einzigen Abend gelernt. Nach etwa einer halben Stunde hatte sie begriffen, und danach haben wir das Neugelernte nur noch ein paar Mal geübt. Der Büroalltag ist jetzt um eine unterhaltsame Show-Einlage ärmer. Aber TZH und der hundeliebende Kollege verstehen einander nun gut, seit sie weiß, dass er keine finsteren Absichten verfolgt.

TZH lernt also nicht nur extrem gern, sondern auch sehr schnell – ein Einstein auf vier Pfoten. Das heißt in meinen Augen auch, dass wir sie fördern müssen. Irgendwann gehen uns aber die Ideen aus, fürchte ich. Allerdings habe ich im Netz schon Seiten mit vielen Tricks gefunden, die Mensch seinem Hund beibringen kann. Die meisten sind leider ähnlich sinnvoll wie das Pfötchengeben: Was haben TZH oder wir davon, wenn sie auf Kommando auf dem Boden robben oder sich rollen kann? Ich will ja keinen Zirkushund aus ihr machen… Aber sie hat eindeutig Spaß am Lernen! Was übt ihr denn mit euren Hunden???

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4 Antworten zu Einstein und der Hundeführerschein

  1. zuhause mit einer faulen Sau schreibt:

    Falls jemand auf irgendein You Tube Video wie „Hund transportiert Einkaufstüten“ kommt, bitte BEKANNT GEBEN. Meine Wirbelsäule würde sich sehr freuen, sich des 5 Kg Hundefutter-Sacks zu entledigen. Mit so einem Trick bekommt Hund nicht nur Führerschein sondern richtigen PhD-Titel…

  2. Pingback: Drei Nervenbündel im Gleichklang? Der Psychotest… | Teilzeithund

  3. Pingback: Mensch dumm, Hund klug: Lernen von TZH | Teilzeithund

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