Frühling in Moabit: Pulverschnee hinter Maschendraht

Der Lenz ist da“ titelte ich vor zwei Wochen – zu früh natürlich, denn offizieller Frühlingsanfang war erst gestern. Zur Feier des Tages haben der Teilzeithund und ich einen schönen langen Schneespaziergang gemacht. Aus TZHs Sicht lässt das Wetter nichts zu wünschen übrig. Im Schnee badet sie fast genauso gern wie im Wasser.

Weil ich in Berlin-Moabit etwas abholen musste, haben wir einen neuen Stadtteil kennen gelernt. Tatsächlich bin ich in dem (absolut zentral gelegenen) Kiez noch nie zuvor unterwegs gewesen. Moabit erinnert an Neukölln, bevor der Hype einsetzte: Schöne, etwas heruntergekommene Altbauten, schreckliche Betonbunker des sozialen Wohnungsbaus, Spielcasinos, Dönerläden und Trinkhallen. TZH mochte die Vielzahl an verlockend riechenden Dönerbuden und würde sie jederzeit den schickeren Soja-Latte-Establishments vorziehen. Ich bin gespannt, wie lange der Stadtteil den jetzigen Bewohnern noch erhalten bleibt – die Nähe zum Hauptbahnhof könnte schnell ein besserverdienendes Klientel anlocken. Aktuell bevölkern Menschen mit wenig Geld die Straßen: Studierende, Migranten, Mütter mit drei Kleinkindern und einer Tüte aus dem „Alles ein Euro“-Shop.

Die erste Schneeflocke des Frühlings auf TZHs rosa Nase.

Die erste Schneeflocke des Frühlings auf TZHs rosa Näschen.

Im Erstanlauf haben mich die netten Moabiter sehr verblüfft: Den Fritz-Schloss-Park, den ich mit TZH  erkunden wollte, kannte niemand. (Ich nehme in unbekannte Gegenden keinen Stadtplan mit und habe auch kein Smartphone – ein guter Trick, um gleich mit dem Bewohnern in Gespräch zu kommen. Oder mangelnde Planung. Wie man es betrachtet…) Normalerweise übersehen Menschen meiner Erfahrung nach die größte Grünfläche ihre Viertels nicht so einfach. Nachdem wir einige Male abgeblitzt waren, habe ich schließlich nach „dem Park am Poststadion“ gefragt und schon waren wir auf dem richtigen Kurs. Den Namen des ehemaligen Bezirksbürgermeisters Fritz Schloss brauche ich mir für weitere Moabit-Besuche offensichtlich nicht zu merken. Tut mir leid für Herrn Schloss, aber in seinem früheren Wirkungskreis gilt er nicht viel.

Am Park waren wir dann schnell – drin aber keineswegs. Seltsamerweise ist der Park überall von Maschendrahtzäunen eingegrenzt. Teilweise, weil damit die Baustelle am Poststadion abgesperrt wird. Teilweise, weil die Moabiter Maschendraht lieben? An vielen Orten machte der Zaun überhaupt keinen Sinn – allerdings konnte ich gut an meiner Frustrationstoleranz arbeiten, während wir in steter Sichtweise des Parks geraume Zeit die laute und hässliche Lehrter Straße entlang trabten. TZH war auch erstaunt, die weißen Weiten nur durch Gitter bewundern zu können. Als wir den Eingang endlich gefunden hatten, waren wir aber beide begeistert: Der kleine, hügelige Park ist wunderschön und war fast menschenleer, so unglaublich das in der Innenstadt ist. TZH konnte glücklich durch völlig unberührten(!), reinweißen(!) Schnee toben und hat die in Berlin seltene Gelegenheit ausgiebig genutzt. Kann man den ersten Frühlingstag überhaupt besser feiern als mit einem Bad in frischem Pulverschnee?

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