Warnung! Jetzt wird es ein bisschen sentimental…

Heute vor einem Jahr habe ich den Teilzeithund und seinen anderen Menschen das erste Mal getroffen, an einem bitterkalten Sonntagnachmittag im Görlitzer Park. TZH war voller Freude, dass im Park so viel Schnee lag. Sie hat mich angekläfft, als sie mich das erste Mal gesehen hat, und ist aufgeregt herumgehüpft – nicht meinetwegen, sondern weil sie es unsinnig fand, dass ihr Mensch und ich uns einander langatmig vorstellten, statt mit ihr in das lockende Weiß zu laufen. Aus Hundesicht hätte Mensch den Small Talk wirklich in der Kuhle in der Parkmitte erledigen können, wo schon andere Hunde herumtobten, statt auf einer aus TZHs Sicht langweiligen Terrasse vor einem Café.

Mir gefiel der hübsche und lebhafte Hund spontan sehr gut. TZH hat an dem Tag ausgelassen mit einem jungen Boxer gespielt, bis beide ein einziges Knäuel aus Fell und strampelnden Pfoten waren. Im Park fand sie mehrere Plastikflaschen, in denen das Wasser gefroren war. Das Flaschensammeln, lernte ich später, ist ein Hobby von TZH: Plastikflaschen können Hund und Mensch herumwerfen, und TZH zerkaut sie zudem sehr gern. Oft findet sie die kleinen Flaschen mit dem importierten türkischen Wasser, für die rätselhafterweise kein Pfand anfällt. Ab und zu macht sie auch Pfandflaschen kaputt, das gefällt den menschlichen Flaschensammlern nicht. Aber ich gönne TZH den Spaß.

Hach! Unser erster Spaziergang zu zweit.

Hach! Unser erster Spaziergang zu zweit.

Auch TZHs Menschen fand ich sympathisch. Sie war sehr erkältet, darum sind sie und der TZH nach anderthalb Stunden wieder heimgegangen. Den nächsten Sonntag haben die beiden mich dann zuhause besucht, und TZH und ich waren das erste Mal ohne ihren anderen Menschen spazieren…. Der Rest ist Geschichte, na ja, steht in diesem Blog.

TZHs anderer Mensch hat mir kürzlich erzählt, wie sie und der damalige Mithundebesitzer TZH vor mehr als drei Jahren im norddeutschen Bad Segeberg (Ja, genau: Winnetou!) abgeholt haben. TZH war noch ganz klein, erst elf Wochen alt. Mit ihrem Bruder wohnte sie damals in einer Hütte im Garten. Die anderen Welpen waren schon vermittelt worden. TZHs Mutter ist der Hund eines Freundes des Vaters des damaligen Mithundebesitzers (Schön nicht? So viele Genitive!). Dieser Freund züchtet keine Hunde, er hat nur einmal nicht aufgepasst, als seine Hündin läufig war. TZH sah ihre neuen Menschen erstaunt an. Den Abend hat sie zwischen ihnen auf dem Sofa in einem Bad Segeberger Wohnzimmer verbracht. Sie war ganz aufgeregt und wusste nicht, wie ihr geschah. Am nächsten Tag schon reisten die drei dann zusammen nach Berlin. Und aus dem kleinen TZH wurde ein Hauptstadthund, der Deutsch und Griechisch versteht, gern U-Bahn fährt und  in einigen Kneipen schon Wasser aus einem Napf am Boden geschlabbert hat, lange bevor das Etablissement Touristen als Geheimtipp verkauft wurde. Zudem lernte sie, stets den Boden vor Döner-Buden abzusuchen, sich auf rauen Berliner Hundeplätzen zu behaupten und an großen Tischen den menschlichen Makel zu finden, der ihr wider alle Regeln heimlich etwas zusteckt.

TZHs anderer Mensch hat über das ganze Gesicht gestrahlt, als sie sich erinnert hat an diese Liebe auf den ersten Blick. TZH hat großes Glück gehabt, findet ihr anderer Mensch. Ich glaube, sie hat recht. Wäre es besser für sie, mit einer Familie in einem Haus im Grünen zu leben, statt in der Großstadt in zwei Wohnungen? Vielleicht. Mit einem sehr nüchternen Blick betrachtet, ist TZH auf jeden Fall ein Glückshund. Statt ihr Leben in den Klauen der Hundemafia zu beginnen, ist sie in einem netten Privathaushalt hineingeboren worden. Die Welpen und ihre Mutter wurden liebevoll umsorgt. Zudem ist TZH kein reinrassiger Hund: Viel zu viele Rassehunde haben gesundheitliche Probleme, weil ihre Körper nach den absurden Standards mancher Züchter geformt wurden, TZH dagegen ist gesund. Und, vermutlich am wichtigsten aus der Sicht eines Rudeltieres: Ein Tierheim hat sie noch nie von innen gesehen. Traurigerweise ist das statistisch bereits kein schlechtes Hundeleben. Aber TZH wird auch gut versorgt, sehr geliebt und hat jeden Tag viel Spaß.

Den habe ich auch. Mein Leben hat sich durch den TZH verändert: Ich bin viel mehr draußen unterwegs, bei jedem Wetter. Meist genieße ich es die Jahreszeiten zu spüren, ab und zu würde ich lieber mit einem Buch auf der Couch liegen bleiben, während vor dem Fenster das Wetter ohne mich stattfindet. Ich kann heute Hundehaufen in Tüten befördern, während ich in der anderen Hand eine Zigarette halte. Es ekelt mich auch kaum noch, den warmen braunen Matsch durch das Plastik zu fühlen. Ab und zu laufe ich nachts oder frühmorgens mit dem Hund und einem notdürftig unter dem Mantel versteckten Schlafanzug um den Block und hoffe, dass ich niemand treffe. Ich rede mit Leuten, mit denen ich sonst nie sprechen würde, weil TZH ihren Hund mag. Meine Wohnung ist deutlich dreckiger als früher und ich fühle mich nicht mehr zuhause, wenn nicht alles voller weißer Hundehaare ist. Ich habe auf jeden Fall großes Glück gehabt, das steht fest.

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