„Jagd ohne Hund ist Schund“

Sagen die Jäger. Trotzdem habe ich ohne den Teilzeithund (TZH) als Beobachterin an einer großen Drückjagd teilgenommen. Aus beruflichen Gründen, nicht weil ich ein neues Hobby suche! Mit von der Partie waren viele, viele Hunde, vor allem kleine deutsche Jagdterrier und Dackel. Die Hunde hatten Spaß: Ihre Aufgabe war es, Spuren von Hirschen und Wildschweinen zu finden, zu verfolgen und dabei „Laut zu geben“, d.h. durch Bellen anzuzeigen, wohin die Tiere laufen. Die Hunde werden von ihren Menschen begleitet, den sogenannten „Treibern“. Jäger, die auf Hochsitzen am Waldrand warten, erlegen schließlich das aufgescheuchte Wild.

Verletzter Held.

Verletzter Jagdhund.

Ich hatte Gerüchte gehört und erwartet, dass die Jäger teilweise grob mit den Hunden umgehen würden. Tatsächlich jedoch wurden die Hunde liebevoll umsorgt. Wenn ein Hund nicht parierte, wurde er gutmütig zurechtgewiesen, von militärischem Drill konnte ich aber keine Spur finden. Allerdings gehen Jäger Risiken ihre Hunde betreffend ein: Nicht selten läuft ein Hund im Übereifer zu weit hinter einem fliehenden Hirsch her und findet nicht vor Einbruch der Dunkelheit zurück. Im Regelfall legt sein Mensch eine Decke für ihn aus und findet am nächsten Morgen darauf einen erschöpften und hungrigen Hund vor. Aber die Nacht allein im Wald… brrr. Und manchmal irren die Hunde auch tagelang herum, bis ein Spaziergänger sie aufliest. Zudem können besonders Wildschweine dem Hund auch wirklich gefährlich werden. Allerdings glaube ich: Viele Hunde würden den Spaß nicht verpassen wollen, auch wenn ihnen die Gefahren bewusst wären.

Und seine Beute.

Und die Beute: ein Damhirsch.

Kurz habe ich überlegt, wie TZH ein Leben als Jagdhund finden würde. Den ganzen Tag imWald Spuren verfolgen und kläffen, das wäre ganz nach ihrem Geschmack. Und ab und zu einmal an einer toten Wildsau herumkauen oder ein noch warmes Hirschherz verschlingen zu dürfen, gefiele ihr auch sehr, da bin ich sicher. Vermutlich würde sie dafür augenrollend hinnehmen, eine signalfarbene Warnweste tragen zu müssen. Die sollen verhindern, dass versehentlich der Hund angeschossen wird. Da sind wir allerdings bei dem Problem angelangt.

Schüsse – auf gar keinen Fall! Immer noch beraten TZHs anderer Mensch und ich, wie wir unseren wunderbaren Hund trotz des Krachs der Silvesterböller gut ins Neue Jahr bringen. Jagdhunde können sich Lärmempfindlichkeit nicht leisten. Ich zitiere: „Jäger müssen mit ihrem Jagdhund noch zusätzlich beweisen, dass ihr Hund schussfest ist, das heißt, dass er sich bei einem Schuss absolut neutral verhält und nicht zum Beispiel ängstlich zu seinem Hundeführer läuft und sich versteckt.“ Mit TZHs Jagdhundkarriere wird das also nichts. Umso besser: Zwar kann ich die oft harsche Kritik an der Jagd oft nicht ganz nachvollziehen. Zumindest, wenn sie von Menschen kommt, die Fleisch aus Massentierhaltung essen. Aber eine Jägerin will ich ganz sicher nicht werden. Also passen der TZH und ich weiterhin gut zusammen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Erziehung, Tierschutz abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s