Ich komm aus Kreuzberg, Du Muschi!

Dem Teilzeithund (TZH) geht es gut! Danke der Nachfrage, F.! Oder war das ein Vorwurf? Das Schweigen im Blog bedeutete nur, dass die Teilzeithundebesitzerin extrem beschäftigt war. Jemand muss ja Geld für das Hundefutter heranschaffen.

TZH ist seit drei Tagen wieder in Neukölln. Ihr anderer Mensch hat gerade Besuch, so dass sie in ihrem dortigen Zuhause mit viel Gesellschaft rechnen kann, das gefällt ihr sicher sehr. Zuvor hatten wir aufregende zehn Tage zusammen.

Im Büro traf TZH auf eine Hündin, die ein Kollege von mir ab und zu bei sich hat. Ich nenne sie der Einfachheit halber hier „Alpha“. Ihre Körpersprache sagt deutlich: „Isch Alpha, du Opfa!“ Alpha ist ein netter Hund. Menschen gegenüber jedenfalls. Und Rüden. Bei anderen Hündinnen ist es vorbei mit ihrem Charme. TZH verstand das sofort. Alpha ist deutlich größer und sechs Jahre älter als TZH. Und  im Gegensatz zu TZH ist sie eine echte Kreuzbergerin, im Herzen des Ghettos groß geworden. TZH dagegen zog erst nach Neukölln, als es schon hip war.

Nicht nur für sie waren die gemeinsamen Tage eine Herausforderung. Mir blutete das Herz, als Alpha sich auf TZHs Decke breit machte. Mühselig habe ich den Instinkt unterdrückt, für TZH zu kämpfen. Das hätte TZH sicher gut gefallen. Und einen mehrtägigen Hundekampf ausgelöst. So waren die Fronten klar: TZH gibt nach, Alpha setzt sich durch. Und ich fühle mich als Verräterin. Schön war das nicht.

Aber TZH hat aus der Unterdrückungserfahrung gelernt, vermute ich. Sie positioniert sich  politisch jedenfalls jetzt klar links. Angenommen hatte ich immer schon, dass TZH im Herzen Sozialistin ist. Jeder Hund auf dem Hundeplatz weiß, dass TZH für sein Privateigentum keinerlei Respekt aufbringt, besonders wenn es um Bälle geht. Doch über Politik schwieg sie sich bislang aus. Diesen Montag aber waren wir auf dem Tempelhofer Feld spazieren. TZH war begeistert – soviel Platz, soviel Grün und keine Leinenzwang-Fetischisten weit und breit.

Blondi! Phh!

Blondi! Pff!

Aber natürlich habe ich ihr erzählt, dass die Gebäude ein Paradebeispiel der Nazi-Architektur sind. Über Hitler wusste sie schon Bescheid. Blondi findet sie einen extrem blöden Namen für eine Hündin. (Von Debbie Harry hatte sie zu meiner Überraschung noch nicht gehört! Das muss sich natürlich ändern.) Auch dass Hitler Vegetarier war, imponiert ihr nicht. Auf Fleisch zu verzichten, ist in TZHs Augen einfach Wahnsinn. Den Zusammenhang zwischen dem hohen Fleischverbrauch in den Industrieländern und dem Klimawandel erkläre ich ihr immer wieder.

Aber was andere Politikfelder betrifft, sind wir auf einer Wellenlänge: TZH streckt Nazis, ihren Blondis und ihren Bauten die Zunge raus.

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