Hund verdaut, Mensch grübelt

Diese Woche war ich intensiv mit der Verdauung des Teilzeithunds beschäftigt. Sonst sammle ich die Ergebnisse auf, bin intellektuell aber anderweitig ausgelastet. Den Verdauungprozess reguliert TZH allein: Manchmal frisst sie Gras. Mal trinkt sie sehr viel Wasser, mal weniger. Einen Napf Futter verschlingt sie in 30 Sekunden, und hungrig ist sie immer.

Diese Woche haben wir die Aufgaben verteilt: Sie verdaut. Und ich mache mir Sorgen darüber.

Denn TZH ist im Grunde ihres Herzens ein hübscher, pelziger Müllschlucker und unentwegt mit der Straßenreinigung beschäftigt. Natürlich nehme ich ihr den Abfall weg, wenn ich kann. Kleine Happen vertilgt sie aber in Sekundenbruchteilen, und nur bei größeren Stücken schaffe ich es, ihr ihre Beute zu entreißen. Manchmal. TZH ist nicht besonders kooperativ, wenn sie Essen (oder was sie dafür hält) hergeben soll. Auch wenn ich ihr die Schnauze aufsperre, versucht sie jeden Trick, den Brocken noch schnell in den Magen zu kriegen.

Und immer geht alles gut: Erstaunlich im Grunde, dass sie nie Probleme hat. Auch diese Woche nicht. Aber… ich!

Mittwochnacht: Im Einschlafen höre ich, wie es in TZHs Bauch laut blubbert und grummelt. TZH liegt völlig entspannt auf ihrer Decke und döst. In der nächsten Stunde befühle ich immer wieder besorgt ihren Bauch, ohne etwas Verdächtiges festzustellen. TZH ist erstaunt, denn normalerweise spiele ich nicht mitten in der Nacht Amateurtierärztin. Sie schläft (so gut es bei den Störungen eben geht) ungerührt weiter. Irgendwann fällt auch ihr müder Mensch in den Schlaf. Am nächsten Tag bin ich unausgeschlafen und TZH vermutlich auch. Ihr Stuhlgang jedoch ist völlig normal. Sie scheint bester Laune.

Freitagnachmittag: Immer noch, trotz Kälte, grillen Unerschrockene im Görlitzer Park – und werfen Essensreste auf die Wiesen. Einen Knochen kann ich TZH abnehmen, ein halbes Kotelett ziehe ich ihr gegen erbitterten Widerstand aus dem Maul. Mindestens zweimal bin ich nicht schnell genug und höre sie knirschend kauen, ohne eingreifen zu können. Anschließend mache ich mir Sorgen. Ein Stück Tomate spuckt sie nach zwei Minuten wieder aus. Zurück im Büro trinkt sie dann gefühlte zwei Liter Wasser in fünf Minuten. Und furzt später mehrfach, das kleine Ferkel. Ihr geht es blendend.

Samstagvormittag: Steinharte gelbe Kotkugeln am Morgen! TZH hat erkennbar Schmerzen beim Hervorpressen. Trotzdem ist sie sonniger Laune, ausgeruht und verspielt. Ihr Mensch studiert dagegen besorgt längere Zeit die gelben Murmeln. Nach zweimal Kugelstuhl sehen alle folgenden Exkremente normal aus. Eine Internetrecherche ergibt, dass Google für die Stichworte „Hund harter gelber Kot“ 416.000 Ergebnisse findet. Auch „Hund Bauch Geräusche“ führt noch zu immerhin 212.000 Treffern. Allein im deutschsprachigen Raum sitzen also Tausende von Menschen besorgt am Computer und suchen Rat wegen (imaginärer) Verdauungsprobleme ihres Hundes. Die Hunde amüsieren sich derweil vermutlich gut. Ich bin nicht allein! Sind die Bezugspersonen von Hunden allesamt Neurotiker?

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Futter, Gesundheit abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Hund verdaut, Mensch grübelt

  1. Pingback: Der Durchfall-GAU: TZH erlebt einen schlimmen Abend | Teilzeithund

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s