Abgründe im Netz: Der „Bello-Dialog“

Und auch noch fröhlich grinsen!

Und auch noch frech grinsen!

Vor zwei Wochen wurden der TZH und ich im Treptower Park von einem dubiosen, dunkel gekleideten Paar auf Fahrrädern aufgehalten. Die beiden bemängelten, dass TZH (bzw. „dieser große Hund“) ohne Leine friedlich am Wegesrand schnüffelte (bzw. „Passanten gefährdete“). Sie gaben sich als Ordnungsamt-Mitarbeiter aus. Ob das stimmt, weiß ich nicht, einen Ausweis haben sie mir nicht gezeigt. Und der TZH und ich wollten diese Leute nicht näher kennen lernen.

Bei der Recherche darüber, welche Vollmachten die Ordnungsamt-Mitarbeiter haben, stieß ich auf einen Artikel über das im Entstehen begriffene neue Hundegesetz. (Dieser ist schon wegen des wunderschönen Worts „Dunkelzifferhunde“ im Text sehr lesenswert!) Im Artikel wurde auf ein Online-Diskussionsforum zum Thema verwiesen, das von Initiator Thomas Heilmann, Berlins Justizsenator (CDU), allen Ernstes „Bello-Dialog“ getauft wurde. Am „Bello-Dialog“ nehmen nicht nur Wahnsinnige teil, aber manche Kommentare von Berliner Bürger_innen erschrecken mich zu Tode. Einige Beispiele:

Eine Mutter kleiner Kinder kommentiert: „Und was ist mit dem Urin, der die Straßenbäume schädigt, jeden Vorgarten verseucht und die Häuserwände angreift? Wer ein Kind hat, weiß: Auch diese laufen gern an Häuserwänden, Pollern, Mauern etc. lang … und mein Standardsatz ist: „Vorsicht, Pullerecke!“… JEDER Park ist voll, mit nicht angeleinten Hunden, die überall hinpullern und kacken. Vor Angst, angegriffen zu werden (und davon kann wohl jeder ein Lied singen), hält man die Luft an und versucht, schnell weiter zu kommen.“

Robert schlägt eine Totalüberwachung vor: „Es ist keine neue Idee, aber ganz sicher die beste Lösung: Bei der Anmeldung eines Hundes wird gleichzeitig ein Foto und ein DNA-Check mit abgespeichert. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssen dann also nicht mehr den Hund in Flagranti erwischen sondern lediglich eine Stuhlprobe entnehmen und die Identität feststellen. Alle entstehenden Kosten (Probenahme. DNA-Test, Identitätsfeststellung) werden dem Halter in Rechnung gestellt, und dazu noch die gültige Ordnungsstrafe.“

Jogger fordert, dass Hunde endlich Uhren lesen lernen: „Hunde dürfen nur bellen zwischen 8 und 13 Uhr sowie zwischen 15 und 19 Uhr.“

Ich will mit einigen dieser Menschen wirklich nicht diskutieren. Auf der anderen Seite stört mich bei vielen gerade ihre Intoleranz und vollkommen unreflektierte Ignoranz. Also selbst toleranter sein und auch mit Leuten reden, die unglaublichen Unsinn verzapfen? Und: Kann ein normal intelligenter Mensch überhaupt an einem Forum teilnehmen, das sich „Bello-Dialog“ nennt? Noch bin ich unentschlossen.

Die Mutter der Kleinkinder, Username was ist mit dem Rest der Natur?, schließt ihren Kommentar übrigens mit: „Warum darf man sich in Wohnungen riesige Hunde halten, aber kein Schaf? …Warum gibt es keine Begrenzung bei Hunden?“ Eine Anregung für weitere Foderungen der guten Frau wäre es doch noch, die Zahl der Männer in Städten zu begrenzen, weil es auch unter diesen genug Mauer-Pinkler gibt. Auch hier böte sich ein DNA-Check an… Und endlich könnten wir gefahrlos jede Mauer ablecken und vom Bürgersteig essen!

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