Görli, Görli…

Seit heute habe ich den Teilzeithund wieder bei mir. Wie so oft habe ich sie in Neukölln abgeholt, und wir sind in den Görlitzer Park marschiert – einen unserer Stammparks. In Berlin kennt den „Görli“ jeder. Bundesweit hat ihn sicher der Film „Der Adel vom Görli“ bekannter gemacht.

Den eroberten Stock fest unter der Pfote: Siegerin TZH in der Kuhle.

Den eroberten Stock fest unter der Pfote: Siegerin TZH ruht sich nach Wettrennen in der Kuhle aus.

Der Görli hat einen schrägen Charme, aber auch seine Abgründe: Anwohner wollen seit Jahrzehnten die tatsächlich teilweise aufdringlichen Dealer vertreiben. Angeblich setzen diese auch Kinder als Kuriere ein. Der neue Anlauf der Nachbarn wird auch nicht erfolgreicher sein als alle vorigen, das ist mein Tipp. Im Görli wird immer gestritten und gekämpft, das gehört dazu. Allein die Auseinandersetzung um die Pamukkale-Terasse hat mehr als zehn Jahre gedauert.

Als Teilzeithundebesitzerin liebe ich den Görli. Von Leinenzwang hat hier noch niemand gehört, und immer sind viele nette Hunde mit netten Menschen unterwegs. Den Bezugspersonen von Hunden glauben auch die Dealer viel schneller, dass sie tatsächlich keine Drogen kaufen wollen.  Die große Kuhle in der Mitte, ein Überbleibsel des alten Eingangs zum Görlitzer Bahnhof, ist allgemein als Hundetreff bekannt. Äußerst praktisch, denn TZH trifft hier zuverlässig Hunde zum Spielen.

Anstrengend ist es im Sommer, dem Hund immer wieder Knochen aus dem Maul zu ziehen, denn die bleiben nach dem Grillen zu oft liegen. Voller Müll ist der Görli immer. Ein „Grillverbot“, wie es die Stadt Berlin in einigen Parks ausgesprochen hat (Doch, wir haben viele andere Probleme, aber denen weichen die Politiker_innen lieber aus.)  gab es im Görli nie. Tatsächlich ist die Luft im Görli an warmen Tagen extrem rauchig – aber das stört nicht. Der Kreuzberger an sich ist kein Gesundheitsapostel. Und mit Naturerleben hat der Görli sowieso nichts zu tun. Der Rasen verkommt unter den Menschenmengen bis spätestens Juli zur Tundra, und oft ist es nicht einfach, ein Sitzplätzchen zu finden. Viele Kreuzberger würden sich eher vom Fernsehturm stürzen als in ähnlicher Enge an der Adria in der Sonne zu braten, aber das ist eben etwas anderes ;-).

TZH mit Algenschal.

TZH mit lässigem Algenschal.

Einen Extra-Stern gibt es für den kleinen Parkteich in Kanalnähe. Ohne erst einen störenden gemauerten Rand überwinden zu müssen, kann sich der TZH ins Wasser stürzen, natürlich zusammen mit anderen Hunde. Beeindruckt hat mich ein Papillon, ein Zwei-Kilo-Hundchen, das sich als sehr flotter und unerschrockener Schwimmer entpuppte. Aber er war auch mit einem Punk unterwegs, die halten eben keine Zuckerpüppchen. Dass der TZH als Golden und Labrador Retriever-Mix alle anderen Hunde in den Schatten stellte, ist kaum erstaunlich – bildlich gesprochen leider nur. Am Ufer des Teichs war von Schatten keine Spur, und bei 31 Grad haben alle Menschen schwitzend die Hunde im Wasser beneidet. Aber aus Menschensicht schrecken die Algen und die Entengrütze zu sehr. Sogar die Punks.

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